Liste der Bewerber für neue Top-Level-Domains veröffentlicht


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Die ICANN hat Mitte Juni die Liste der Bewerber für neue Top Level Domains veröffentlicht. Darunter finden sich sowohl Markennamen und geografische Angaben als auch Produktbezeichnungen. Auch der Bund hat eine Bewerbung eingereicht. Er will dadurch die Kontrolle über die Domain .SWISS erlangen, namentlich um die Interessen der Schweiz zu wahren und Missbrauch der geografischen Angabe zu verhindern. Markeninhabern wird empfohlen, die Liste genau zu studieren und bei allfälligen Rechtsverletzungen formellen Einspruch zu erheben. Die Frist dazu beträgt rund sieben Monate ab Veröffentlichung. Die ersten neuen gTLDs sollen bereits Anfang 2013 zugelassen werden.

Neue generische Top Level Domains

Vor rund einem Jahr hat die internationale Verwaltungsstelle für Internet-Domainnamen, die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), bekannt gegeben, dass in Zukunft unbeschränkt viele generische Domain-Endungen (Generic Top Level Domains, gTLDs) existieren sollen (vgl. BR-News vom 22. Juni 2011). Bisher existierten nur deren 22, darunter Domainendungen wie .COM, .INFO oder .ORG. Die Bewerbungsfrist für neue gTLDs ist am 30. Mai 2012 abgelaufen. Rund zwei Wochen später hat die ICANN die Liste der Bewerber für neue gTLDs veröffentlicht.

Bewerbungen aus der ganzen Welt

Insgesamt erhielt die ICANN 1930 gTLD-Bewerbungen aus rund 60 Ländern. Der grösste Teil davon stammt erwartungsgemäss aus Nordamerika und Europa. Auch aus Afrika und Lateinamerika sind Bewerbungen eingegangen. Diese Regionen verfügten bisher nicht über eigene gTLDs. Auch für Top-Level-Domains mit Internationalized Domain Names (IDNs), also Zeichen in anderer als lateinischer Schrift (z.B. arabisch oder kyrillisch), sind ebenfalls 116 Bewerbungen eingegangen. IDNs waren bisher nur für Second-Level-Domains, nicht jedoch für Top-Level-Domains einsetzbar.

Unter den veröffentlichten gTLDs sind auch diverse Bewerbungen von Schweizer Unternehmen zu finden. Beworben haben sich diese unter anderem für Domainendungen wie .UBS, .ABB oder .OMEGA. Zudem hat sich der Kanton Zürich für die geografische Domain .ZUERICH beworben.

Ein Grossteil der Bewerber bewirbt sich allerdings nicht für Markennamen oder geografische Angaben, sondern für generische Namen oder Produktbezeichnungen wie z.B. .ART, .BOOK .APP oder .NEWS. Um die genannten gTLDs kämpfen jeweils gar bis zu 13 verschiedene Bewerber. Wie erwartet haben sich auch internationale Grossunternehmen beworben. Unter anderem sind auf der Liste Domainnamen wie .AMAZON, .APPLE oder .GOOGLE zu finden.

Bund bewirbt sich für .SWISS

Wie das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) mitteilte, hat sich auch der Bund um eine gTLD beworben (vgl. Pressemitteilung vom 13. Juni 2012). Die Top-Level-Domain .SWISS soll demnach durch den Bund vergeben werden. Als Gründe führt das BAKOM an, dass dadurch die Interessen der Schweiz gewahrt werden sollen sowie ein Missbrauch der geografischen Bezeichnung durch Dritte verhindert werden soll. Der Klarheits- und Wiedererkennungswert sei wesentlich höher als bei der bisherigen landesspezifischen Top-Level-Domain .CH, die im Ausland häufig zu Verwechslungen führe, beispielsweise mit China. Ein Domainname mit der Top-Level-Domain .SWISS soll nur bei einem Bezug zur Schweiz vergeben werden. Anders verhält es sich mit der durch Switch vergebenen Top-Level-Domain .CH, für welche eine Registrierung auch ohne Bezug zur Schweiz und durch jede Person überall auf der Welt vorgenommen werden kann. Durch die geplanten strengen Registierungsvorschriften für .SWISS will der Bund namentlich die internationale Sichtbarkeit der Schweiz fördern und die geografische und soziale Bedeutung des Wortes «Swiss» wahren.

Wie die Liste der ICANN zeigt, hat sich neben dem Bund auch die Fluggesellschaft Swiss um diese Top Level Domain beworben. Man darf gespannt sein, wer aus welchen Gründen schliesslich den Zuschlag erhält.

Markeninhaber: Liste überprüfen!

Die veröffentlichten Domainendungen stellen erst Anträge dar. In einem Zulassungsprozess wird die ICANN entscheiden, welche Bewerber den Zuschlag für welche gTLDs erhalten werden. Die ICANN rechnet damit, dass Anfang 2013 die ersten neuen gTLDs zugelassen werden können. Im Zulassungsprozess wird unter anderem geprüft, ob die Bewerber die Anforderungen erfüllen, die an Registrierungsstellen gestellt werden und ob die neuen Domainendungen bereits existierenden Top-Level-Domains zu ähnlich sind oder andere Rechte verletzen.

In einem ersten Schritt dieses Zulassungsprozesses kann jeder Interessierte innert 60 Tagen seit dem Veröffentlichungstag (13. Juni 2012) Kommentare zu den Bewerbungen abgeben. Berechtigten steht zudem die Möglichkeit offen, formellen Einspruch gegen eine Bewerbung zu erheben. Zum Erheben einer Einsprache berechtigt sind insbesondere Mitbewerber, bereits existierende Top-Level-Domain-Besitzer sowie Inhaber von Marken und anderen Immaterialgüterrechten. Für die Einsprache gilt eine Frist von rund sieben Monaten ab dem Veröffentlichungstag. Ein genaues Datum, wann die Einsprache spätestens eingereicht werden muss, gibt die ICANN nicht bekannt, das Verfahren werde jedoch ungefähr sieben Monate («approximately seven months», vgl. Website der ICANN zum Thema) offen stehen. Betroffenen wird deshalb empfohlen, möglichst frühzeitig Einsprache zu erheben.

Markeninhabern und Inhabern anderer Namens- oder Kennzeichenrechte wird empfohlen, die Liste der ICANN zu studieren. Dies aus zwei Gründen: Erstens, um gegen mögliche Verletzungen eigener Rechte vorgehen zu können. Zweitens, um mögliche gTLD-Registrierungsstellen zu finden, unter welchen es sinnvoll wäre, eine Registrierung anzustreben, um die eigene Marke besser positionieren zu können.

Updates: ICANN publiziert Liste der «Early Warnings» fürn neue Top-Level-Domains / Bundesrat veröffentlicht neue Strategie für den Umgang mit Internet-Domain-Namen

Weitere Informationen:

Ansprechpartner: Lukas Bühlmann


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