Adblock

Niederlage für die Adblock-Plus-Betreiberin wegen „Overblocking“


Ihr Kontakt

Im Dauerstreit mit der Eyeo GmbH, der Betreiberin des Werbeblockers Adblock Plus, hat der Axel Springer Verlag einen weiteren Etappensieg erzielt. Das aktuelle Verfahren betraf nicht das Ausblenden von Werbeanzeigen an sich, sondern das sog. Overblocking. Konkret sollen auf Computerbild.de neben Werbeanzeigen auch redaktionelle Inhalte durch den Werbeblocker ausgeblendet worden sein. Hiergegen erwirkte der Verlag nun vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung.

Grundsatzverfahren geht in die letzte Runde

Der Axel Springer Verlag führt seit längerer Zeit einen Rechtsstreit gegen die Eyeo GmbH, der Herstellerin des Adblock Plus (siehe z.B. BR-News vom 08.02.2016). Er wirft der Eyeo unter anderem vor, mit ihrer kostenlosen Software Adblock Plus den Wettbewerb zu behindern.

Diesbezüglich konnte der Verlag in einem Grundsatzverfahren vor dem Oberlandesgericht Köln einen Teilerfolg erzielen. Gemäss dem Urteil vom 24. Juni 2016 ist die Blockierung von Werbung durch Ad-Blocker zwar grundsätzlich zulässig; jedoch stelle die Vorgehensweise von Eyeo, insbesondere die Whitelist-Funktion, eine unzulässige aggressive Praktik im Sinne des deutschen Lauterkeitsrechts (UWG) dar (siehe BR-News vom 26.07.2016). Derzeit bemüht sich der Axel Springer Verlag um die vorläufige Vollstreckung des Urteils, währenddessen Eyeo angekündigt hat, Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) einzulegen.

Zusätzliches Parallelverfahren wegen Overblocking

Parallel zu diesem Verfahren hat der Axel Springer Verlag nun vor dem Landgericht Hamburg in einem weiteren Rechtsstreit gegen Eyeo reüssiert. Die Computer Bild Digital GmbH, eine Tochtergesellschaft des Axel Springer Verlags, hat gegen Eyeo eine einstweilige Verfügung gegen das sog. Overblocking beantragt. Das Browser-Plugin Adblock Plus habe auf dem Portal Computerbild.de redaktionelle Inhalte blockiert, mit der Folge, dass Adblock Plus Nutzer die entsprechenden Nachrichten nicht mehr sehen konnten. Zudem soll ein Live-Ticker zur diesjährigen Apple-Entwicklerkonferenz „WWDC“ blockiert worden sein.

Eyeo erklärte gegenüber heise.de, dass solche unerwünschten Nebeneffekte, insbesondere dann auftreten können, wenn eine Website aktiv gegen die Software Adblock Plus arbeitet und beispielsweise normale redaktionelle Inhalte hinsichtlich der Codierung absichtlich als Werbung kennzeichnet. Bei Adblock Plus handle es sich um eine Open-Source Anwendung, weshalb unter anderem Filterlisten der Open-Source-Community eingesetzt werden, die von Eyeo nicht kontrolliert werden. Umgehend nachdem sie vom Verfügungsverfahren Kenntnis erhalten habe, sei der konkrete Fehler auf Computerbild.de bei der EasyList Germany gemeldet und anschliessend von dieser behoben worden. Diesbezüglich hat Eyeo weiter festgehalten, dass eine solche Meldung bei EasyList auch vom Axel Springer Verlag selbst direkt erstattet werden könne.

Landgericht Hamburg erlässt einstweilige Verfügung

Wie das Handelsblatt berichtet, stützte sich das Landgericht Hamburg in seiner Begründung unter anderem auf die Pressefreiheit. Durch die ungeprüfte Übernahme von Filterlisten nehme Eyeo in Kauf, dass durch die Anwendung der Software Adblock Plus auch redaktionelle Inhalte blockiert werden können. Insofern tangiere der Werbeblocker den Kernbereich der grundrechtlich geschützten Pressefreiheit. Dass Eyeo selbst kein Interesse an der Blockierung von redaktionellen Inhalten hat und diese auch nicht absichtlich blockiert, spielte für das Landgericht keine Rolle. Durch die ungeprüfte Übernahme der Filterlisten habe sich Eyeo haftbar gemacht.

Eyeo prüft derzeit, ob die erwirkte Verfügung angefochten werden soll. Aufgrund der Komplexität der Werbeblockierung werden jedenfalls auch zukünftige Fehlblockaden kaum zu vermeiden sein. Daher ist auch in Zukunft mit weiteren Rechtsstreitigkeiten rund um das Overblocking zu rechnen.

Alternative Vorgehensweise von Facebook

Alternativ zum juristischen Weg, den Computer Bild eingeschlagen hat, versucht Facebook auf eine andere Art grundsätzlich gegen die Anwendung von Werbeblockern vorzugehen. Facebook ist es durch Änderungen bei der Codierung vorübergehend gelungen, dass Adblock Plus und andere Werbeblocker Werbung nicht mehr von den Facebook-Elementen ohne Werbeinhalte unterscheiden können. Diese Änderungen konnten jedoch innert kurzer Zeit mittels eines Updates wieder umgangen werden. Auch an dieser Front wird es daher wohl noch zu weiteren Stellungskämpfen kommen.

Weitere Informationen:


Artikel teilen



meistgelesen


Highlights

MLL Legal

MLL Legal ist eine der führenden Anwaltskanzleien in der Schweiz mit Büros in Zürich, Genf, Zug, Lausanne, London und Madrid. Wir beraten unsere Klienten in allen Bereichen des Wirtschaftsrechts und zeichnen uns insbesondere durch unsere erstklassige Branchenexpertise in technisch-innovativen Spezialgebieten, aber auch in regulierten Branchen aus.

MLL Meyerlustenberger Lachenal Froriep

Newsletter

MLL-News 03/22 mit Beiträgen zum Digital Markets Act, Digital Services Act, PBV-Revision, Abmahnungen zu Google Fonts, Inbox-Adverting und vieles mehr.

Zugang MLL-News 03/22

Jetzt anmelden!

Unsere Geschichte

MLL Legal ist eine führende Schweizer Anwaltskanzlei, deren Geschichte bis ins Jahr 1885 zurückreicht. Die Kanzlei ist sowohl organisch als auch durch strategische Fusionen gewachsen, von denen die Jüngste am 1. Juli 2021 zwischen Meyerlustenberger Lachenal und FRORIEP vollzogen wurde.

Durch diesen Zusammenschluss hat sich MLL Legal zu einer der grössten Wirtschaftskanzleien der Schweiz mit über 150 Anwältinnen und Anwälten in vier Büros in der Schweiz entwickelt. Auch zwei Büros im Ausland, in London und Madrid, bieten Anlaufstellen vor Ort für Klientinnen und Klienten, die Beratung im Schweizer Wirtschaftsrecht suchen.

Die Kanzlei verfügt heutzutage über ein starkes internationales Profil und ein langjährig aufgebautes globales Netzwerk. MLL Legal vereint anerkannte Führungsqualitäten und Fachwissen in allen Bereichen des Schweizer und internationalen Wirtschaftsrechts.

Über uns

Publikationen

Hier geht’s zu unseren neuesten Publikationen

COVID-19

Lesen Sie alle unsere rechtlichen Updates zu den Auswirkungen von COVID-19 für Unternehmen.

COVID-19 Information

Offene Stellen

Sind Sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung?

Unsere talentierten und ambitionierten Teams sind von einer gemeinsamen Vision motiviert, erfolgreich zu sein. Wir schätzen eine offene und unkomplizierte Kommunikation über alle Ebenen der Organisation hinweg in einem unterstützenden Arbeitsumfeld.

Offene Stellen

Real Estate Legal Update

Hier gehts zum Real Estate Legal Update 02/22 mit Fokus auf der Energiewende. Wir beschäftigen uns mit der Anpassung des Energiegesetzes und der Umsetzung in den Kantonen Genf und Zürich. Abgerundet wird das Thema mit einem Beitrag zu Solaranlagen. Ergänzt wird unser Update durch Beiträge zum Bauarbeitengesetz, zum L-QIF und zu steuerlichen Überlegungen zu Umstrukturierungen von Immobilienportfolios.

Registrieren Sie sich hier, um unser 2 x jährlich erscheinendes Real Estate Legal Update zu erhalten.

Unser Team

Unsere über 150 Anwältinnen und Anwälte unterstützen Sie dabei, den regulatorischen und technologischen Anforderungen im modernen globalen Wirtschaftsleben erfolgreich zu begegnen und ihre wirtschaftlichen Chancen zu nutzen.

Unser Team

Revision DSG

Auf unserer Themenseite rund um die Revision des Schweizerischen Datenschutzgesetzes finden Sie regelmässig aktualisierte und umfassende Informationen und Hilfsmittel. Es ist uns ein Anliegen, Sie bei der Implementierung der neuen Vorgaben zu unterstützen.

Revision DSG Themenseite

MLL Legal on Social Media

Folgen Sie uns auf LinkedIn, Twitter und Instagram.